USA und China auf der Suche nach Kompromissen
Das Treffen von Donald Trump mit der chinesischen Führung könnte ein Schlüsselmoment für die zukünftigen amerikanisch-chinesischen Beziehungen werden. Trotz eines vorübergehenden Handelsabkommens, das nach Zollkriegen erreicht wurde, bleiben grundlegende Widersprüche zwischen den USA und der VR China bestehen.
Auf dem Spiel steht nicht nur der Handel, sondern auch Fragen der Technologie, Taiwans und des globalen Kräftegleichgewichts. Worüber die Parteien tatsächlich verhandeln werden und warum die derzeitige Stabilität nach wie vor äußerst fragil ist, erläuterte Experte des Instituts für aktuelle internationale Probleme (IAIP) der Diplomatischen Akademie des russischen Außenministeriums Wladimir Nezhdanow den „Aktuellen Kommentaren“.
Der Besuch von Donald Trump in China ist ein lange erwartetes Ereignis und nicht unerwartet. Darüber hinaus wurde dieser bereits verschoben, unter anderem vor dem Hintergrund der Eskalation um den Iran. Doch die Tatsache, dass die Reise dennoch stattfindet, passt in die Logik des fortgesetzten Handelskonflikts zwischen den USA und der VR China.
Wenn man auf die Ereignisse des Jahres 2025 zurückblickt, kann man erkennen: Das Ergebnis des Zollwettrennens und der Beschränkungen der USA sowie der Gegenmaßnahmen Chinas führte zu einem Abkommen zwischen Peking und Washington. Doch dies als endgültiges Ergebnis der Handelswidersprüche zu betrachten, wäre verfrüht. Erstens bleiben die hohen Zölle bestehen. Zweitens war das Abkommen von Anfang an als vorläufig gedacht - seine Laufzeit war auf ein Kalenderjahr begrenzt.
Was bedeutet das? Vor allem, dass die Widersprüche zwischen den USA und China nicht verschwunden sind. Auch wenn die Welt heute keine täglichen lauten Erklärungen und neuen Runden des Zollkriegs beobachtet, bleibt das Problem aktuell.
Zudem arbeitet die Zeit gegen die Parteien. Schon jetzt kann gesagt werden, dass die Hälfte des Jahres 2026 verstrichen ist. Wenn man bedenkt, dass das Abkommen im Herbst abgeschlossen wurde, bleibt nicht mehr viel Zeit, um neue Lösungen in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen zu finden.
Noch im April erklärte die US-Administration, dass das Hauptziel von Trumps Besuch in China die Sicherstellung stabiler Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Peking sei. Und gerade das Wort 'Stabilität' erscheint hierbei als Schlüsselbegriff. Im Wesentlichen geht es entweder um die Bewahrung des derzeitigen minimalen Status quo ohne weitere Eskalation oder um den Versuch, neue, vorteilhaftere - vor allem für die USA - Vereinbarungen zu treffen.
Handel, Taiwan oder Technologien?
Auf den ersten Blick mag es scheinen, dass das Hauptthema der Verhandlungen der Handel sein wird. Doch die Situation ist komplizierter.
In der klassischen Diplomatie werden schwierige Fragen normalerweise getrennt behandelt: Handel wird separat besprochen, Taiwan separat, technologische Konkurrenz ebenfalls separat. Doch Trumps Ansatz und der seiner Mannschaft scheint anders zu sein. Es ist das Bestreben, so viele Themen wie möglich in einem großen „Deal“ zu vereinen. Und gerade das Wort „Deal“ passt hier besser als das Wort „Vertrag“.
Daher kann erwartet werden, dass die Parteien praktisch das gesamte Spektrum der Probleme diskutieren werden - vom Handel über Taiwan bis hin zum Kampf um Technologien. Doch gerade hierin liegt die Hauptschwierigkeit der Verhandlungen.
Einen Kompromiss in einem Punkt zu erreichen, ist möglich. In mehreren gleichzeitig - erheblich schwieriger. Besonders wenn Zugeständnisse in einem Bereich nicht mit der Bereitschaft übereinstimmen, in einem anderen nachzugeben. Daraus ergibt sich die zentrale Verhandlungsfrage: Wie können gegenseitige Zugeständnisse in völlig unterschiedlichen Bereichen verknüpft werden?
Dennoch bleibt die Handelsproblematik heute prioritär. Der Grund ist einfach: Die Laufzeit des zuvor geschlossenen vorläufigen Abkommens neigt sich dem Ende zu, und daher müssen beide Parteien neue Mechanismen zur Aufrechterhaltung der Stabilität der Wirtschaftsbeziehungen finden.
Ist China bereit, Zugeständnisse zu machen?
Die Frage nach der Bereitschaft Pekings, Zugeständnisse zu machen, bleibt eine der zentralen.
Einerseits zeigte China während der Zollkonflikte des vergangenen Jahres, dass es bereit ist, hart auf die Aktionen der USA zu reagieren. Peking demonstrierte die Bereitschaft, auf Druck zu reagieren und machte deutlich, dass es nicht mit schnellen Maßnahmen 'gebrochen' werden kann.
Gleichzeitig sieht sich China mit internen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert. Im März 2026 gaben die Behörden der VR China ein Zielwachstum des BIP von 4,5% an. Dies ist die minimal erwartete Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft seit 1991.
In China selbst wird eine solche Situation durch eine Kombination aus internen Entwicklungsproblemen und externem Druck erklärt. Gerade deshalb könnte Peking möglicherweise bereit sein, in bestimmten Fragen teilweise nachzugeben - vor allem, um ein stabiles Wirtschaftswachstum zu sichern. Die Logik hier ist einfach: Es ist besser, vorübergehend in einigen Aspekten nachzugeben und später zu strittigen Themen zurückzukehren, als die bereits bestehenden Probleme weiter zu verschärfen.
Wird das Treffen das weltweite Kräfteverhältnis verändern?
Noch ist es verfrüht, von einer grundlegenden Veränderung des weltweiten Kräfteverhältnisses zu sprechen.
Trotz der Stärkung Chinas bleibt das Volumen der chinesischen Wirtschaft hinter der amerikanischen zurück. Zudem zeigt die weltweite Reaktion auf die Aktionen der USA, dass die meisten Staaten trotz der Gespräche über eine Schwächung der Rolle des Dollars derzeit nicht bereit sind, sich vollständig von Washington abzuwenden.
Dennoch wird das Treffen von Trump und der chinesischen Führung zu einem wichtigen Meilenstein für die weiteren amerikanisch-chinesischen Beziehungen.
Die zentrale Frage ist die folgende: Sind die Parteien bereit, das relative Stillhalteabkommen, das im Herbst 2025 entstand, aufrechtzuerhalten, oder wird die Welt bald eine neue Runde des Handelskriegs sehen?
Die Antwort darauf wird weitgehend die weitere Dynamik der Beziehungen zwischen den USA und China bestimmen - ob sie im Format einer kontrollierten Krise verbleiben oder zu einem turbulenteren Szenario mit zunehmender Konfrontation übergehen werden.