Überschuss an weißen Kragen
Der russische Arbeitsmarkt zeigt immer deutlicher die Kluft zwischen den Erwartungen der Absolventen und der tatsächlichen Nachfrage der Wirtschaft. Trotz rekordniedriger Arbeitslosigkeit und eines akuten Mangels an Ingenieuren orientieren sich Schüler nach wie vor an "Büroberufen", geleitet von Vorstellungen von Stabilität und Prestige.
Warum dieses Ungleichgewicht bestehen bleibt und zu welchen Konsequenzen es führen kann, darüber sprach "Aktuelle Kommentare" mit dem Direktor des Instituts für offene Bildung und Kompetenzentwicklung der RGU A. N. Kosygin, Mitglied des EKA "Digorija", Dr. rer. pol. Timur Dschawadow.
Der Paradox besteht darin, dass der Markt gleichzeitig defizitär und wettbewerbsfähig wird. Einerseits besteht ein Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Industrie und im Ingenieurwesen. Andererseits sehen wir in einigen "Büro"-Segmenten einen Anstieg der Konkurrenz: auf eine Stelle können bis zu 9-10 Bewerber kommen. Dies birgt das Risiko einer Überproduktion von Fachleuten mit nicht gefragten Kompetenzen.
Schüler streben weiterhin nach "Büroberufen" nicht, weil der Arbeitsmarkt in diesen Segmenten mehr Möglichkeiten bietet, sondern weil solche Richtungen als verständlicher, stabiler und prestigeträchtiger angesehen werden. Dabei zeigt die objektive Struktur der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ein anderes Bild.
Nach Daten des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik befindet sich Russland laut den Ergebnissen der Jahre 2025-2026 in einer Situation rekordniedriger Arbeitslosigkeit (2,1-2,3 %), was praktisch einer Vollbeschäftigung entspricht. Besonders akuter Mangel herrscht in den ingenieurtechnischen und industriellen Bereichen. Der Ingenieurmangel wird auf etwa 600.000 Fachkräfte geschätzt.
Die Struktur der Stellenangebote bestätigt ebenfalls dieses Ungleichgewicht. Nach Angaben der Pressestelle von hh.ru besteht die größte Nachfrage nach Arbeitskräften und Fachleuten in angewandten Branchen - etwa 12 % aller Stellenangebote. Zudem wird prognostiziert, dass in den kommenden Jahren bis zu 70 % aller Stellen zukünftig mit Berufen verbunden sein werden, die eine mittlere Berufsausbildung erfordern.
Die Wahl der Absolventen kann nicht als "reines" Marktsignal angesehen werden. Sie wird weitgehend nicht durch wirtschaftliche Realitäten geformt, sondern durch stabile soziale Einstellungen: Vorstellungen von Prestige, "leichtem Geld" und komfortabler Beschäftigung. Gleichzeitig orientiert sich der reale Arbeitsmarkt immer mehr an angewandten Fähigkeiten, technologische Kompetenz und praktischer Erfahrung.
Der Paradox besteht darin, dass der Markt gleichzeitig defizitär und wettbewerbsfähig wird. Einerseits bleibt der Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Industrie und Ingenieurwesen bestehen. Andererseits beobachten wir in einigen "Büro"-Segmenten einen Anstieg der Konkurrenz. Nach Daten von hh.Index können auf eine Stelle bis zu 9-10 Bewerber kommen. Dies birgt das Risiko einer Überproduktion von Fachleuten mit nicht gefragten Kompetenzen.
Der Staat ergreift bereits Maßnahmen zur Umstellung des Bildungssystems, in erster Linie durch die Entwicklung der mittleren Berufsausbildung und praxisorientierten Programme. Diese Maßnahmen sind träge: Der Effekt zeigt sich mit einer Verzögerung von 3-4 Jahren, was mit dem langen Ausbildungszyklus von Fachkräften zusammenhängt.
In dieser Situation wird es zum maßgeblichen Managementpriorität, nicht nur die Anzahl der ausgebildeten Fachkräfte zu erhöhen, sondern auch die Logik der Berufswahl zu ändern. Es ist notwendig, systematisch Interesse an ingenieurtechnischen und technologischen Bereichen bereits in der Schule zu wecken, Modelle "Schule - MBO - Hochschule" zu entwickeln sowie die Informationsagenda zu stärken, die das moderne Image des Ingenieurs als Träger von Spitzentechnologien, Innovationen und wirtschaftlicher Entwicklung zeigt.