Transformation des Restaurantmarktes
Die Föderation der Gastronomen und Hoteliers Russlands hat sich mit der Bitte an die Regierung gewandt, die Zahlung der Mehrwertsteuer für das 1. Quartal auf Ende 2026 zu verschieben. Die Branche warnt: Ohne diese Maßnahme drohen den Unternehmen vor dem Hintergrund sinkender Kundenfrequenz erhebliche Verluste.
In den ersten drei Monaten des Jahres ging die Besucherzahl in den Lokalen des Landes um 3% zurück, in Moskau betrug der Rückgang 12%, in Sankt Petersburg 8%. Über die Krise der Restaurantbranche sprachen „Актуальные комментарии“ mit dem Sozialarchitekten, Mitglied der Öffentlichen Kammer der Russischen Föderation (RF) und Politberater Stanislaw Korjakin.
Warum sinkt die Besucherzahl selbst in den größten Städten: Sparen die Menschen oder ändern sie ihr Konsummuster?
Weil den Menschen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Es gibt auch Gründe psychologischer Natur. Die Leute fangen schlicht an zu sparen. Das ist durch die gesamtwirtschaftliche Lage und die allgemeine psychologische Verfassung bedingt, die Soziologen feststellen.
Wenn der Staat entgegenkommt, ist das dann ein Signal für andere Branchen, ähnliche Erleichterungen zu fordern?
Ich glaube, die Änderungen in dieser Branche werden nicht automatisch auf andere übertragen, da jede ihre eigene Lage hat. Der Staat braucht eine Konsolidierung der finanziellen Basis und eine bessere Steuererhebung. Andere Branchen werden selbst Lobbykampagnen über verschiedene Strukturen betreiben - etwa den RSPP oder andere Wirtschaftsverbände, über Abgeordnete. Die Situation jeder Branche wird jedoch individuell unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Faktoren geprüft werden.
Die Bitte um Aufschub der Mehrwertsteuer (MwSt.) ist das eine Überlebensmaßnahme oder der Versuch, ein milderes Steuerregime zu erwirken?
Es ist sowohl eine Überlebensmaßnahme als auch der Versuch, ein milderes Steuerregime zu erstreiten. Faktisch ist das dasselbe, nur zwei Seiten derselben Medaille. Unter den gegebenen Umständen sucht die Wirtschaft nach allen Möglichkeiten, ihre Ausgaben zu optimieren, besonders gilt das für kleine und mittlere Unternehmen.
Allseits bekannt ist die Geschichte mit der Bäckerei „Maschenka“. Inzwischen wird dieser Fall als „Maschenka-Effekt“ bezeichnet, als durch ein entsprechendes Ersuchen verschiedene kleine und mittlere Gastronomieunternehmen die Möglichkeit erhielten, ihre Steuerlast zu erleichtern. Insgesamt ist das ein durchaus logisches Vorgehen jedes Unternehmens, das auf unüberwindbare Schwierigkeiten stößt und keine anderen Optionen hat, als zu versuchen, das Steuerregime über eine öffentliche Kampagne oder über Lobbyisten zu ändern. Zum Beispiel über sozial verantwortliche Abgeordnete.
Stehen wir nicht an der Schwelle einer neuen Schließungswelle und einer Konzentration des Restaurantmarktes?
Selbst wenn ein Konsolidierungsprozess einsetzt, ist derzeit schwer abzuschätzen, in welcher Form er ablaufen wird. Eine Konzentration ist möglich, weil sie die operativen Kosten senkt. Über höhere Margen ist womöglich nicht zu sprechen, doch dank Skaleneffekten kann die Effizienz des Geschäfts steigen. Es könnten Formate entstehen, die sich flexibel anpassen lassen. Gemeint sind etwa Franchise-Konzepte oder lokale Standorte. Insgesamt wird der Markt jedoch ganz sicher eine Transformation durchlaufen.
Stanislaw Korjakin, Politberater, Sozialarchitekt, Mitglied der Öffentlichen Kammer der RF, Autor des Telegram-Kanals „Смыслы и стратегии“.