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Spielregeln ohne Marken

· Roman Danilow · ⏱ 3 Min · Quelle

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In Russland wird der parallele Import häufig als nachhaltige Praxis diskutiert, doch in Wirklichkeit ist alles viel komplexer. Hinter diesem Begriff verbergen sich Unterschiede in den rechtlichen Systemen und zeitlich begrenzte Maßnahmen aufgrund des Rückzugs ausländischer Unternehmen.

Wie genau funktioniert dieses System und hat es eine langfristige Zukunft - darüber sprach Dozent am Lehrstuhl für Internationales Geschäft der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Roman Danilow, mit „Aktuellen Kommentaren“.

Der parallele Import in Russland bleibt ein Diskussionsgegenstand. Doch zunächst ist es wichtig, eine grundlegende Sache zu verstehen: In der Welt gibt es zwei Systeme des Erschöpfens von Urheberrechten – das internationale und das nationale. Welche davon angewendet wird, entscheidet jedes Land für sich.

Das internationale System erlaubt freien Warenverkehr: Wenn ein Produkt bereits in einem Land in den Verkehr gebracht wurde, kann es legal in ein anderes eingeführt werden. Das nationale System ist anders organisiert – es erfordert die ausdrückliche Genehmigung des Rechteinhabers für den Import.

Wo liegt hier der parallele Import? Im Wesentlichen ist das die Folge eines internationalen Modells, bei dem neben den offiziellen Lieferungen durch den Rechteinhaber ein alternativer Kanal durch unabhängige Importeure entsteht.

Russland hat das nationale System gewählt. Das bedeutet, dass, wenn der Rechteinhaber auf dem Markt präsent ist, eine Marke registriert und in das entsprechende Register eingetragen hat, der Import nur mit seiner Zustimmung möglich ist - normalerweise durch einen Lizenzvertrag.

Aber was passiert, wenn ein Unternehmen den Markt verlässt? In diesem Fall kann der Markenschutz nicht angewendet werden und die Ware darf ohne Genehmigung eingeführt werden. Es stellt sich heraus, dass es in Russland keinen klassischen parallelen Import gibt: es gibt entweder genehmigten Import oder Import in Abwesenheit eines Rechteinhabers.

Bei der Rückkehr eines ausländischen Unternehmens wird dessen Produkt aus der speziellen Liste des Ministeriums für Industrie und Handel ausgeschlossen – einer Liste von Waren, für die Erleichterungen gelten. Interessanterweise wird der Begriff „paralleler Import“ in den normativen Dokumenten selbst praktisch nicht verwendet.

Es geht um spezifische Rechtsakte – insbesondere den Erlass des Ministeriums für Industrie und Handel Nr. 2701 vom 21. Juli 2023 und die Regierungsverordnung Nr. 506 vom 29. März 2022. Genau diese bestimmen, welche Waren unter Einhaltung bestimmter Bedingungen ohne Zustimmung des Rechteinhabers eingeführt werden dürfen.

Warum verbleiben bekannte Marken auf diesen Listen? Ganz einfach: Viele Unternehmen sind nicht auf den russischen Markt zurückgekehrt und haben keine Distributionsvereinbarungen getroffen. Gleichzeitig ist auch eine gegenteilige Tendenz zu beobachten.

Im Jahr 2025 haben eine Reihe von großen Marken ihre Marken in Russland registriert oder versucht, sie zu registrieren – darunter Louis Vuitton, Kia, Hyundai und IKEA. Auch andere internationale Unternehmen zeigen Aktivität: Coca-Cola, Starbucks, Chanel, Mercedes, Microsoft, Nissan, Disney, Universal, Procter & Gamble, Pepsi, Moët Hennessy, Rolex. Darüber hinaus wurde die Registrierung einiger Marken bereits bis 2033–2034 verlängert – zum Beispiel von Hugo Boss, Puma, L’Oréal und Prada.

Was sagt uns das? Einerseits verkleinert der Staat schrittweise die Liste der Waren, die unter das besondere Regime fallen: in den letzten Jahren wurden mehr als 40 Marken daraus entfernt. Andererseits behalten die Unternehmen selbst ihre rechtliche Präsenz, was darauf hindeuten könnte, dass sie Pläne zur Rückkehr haben.

Gibt es das Risiko, dass Russland von ausländischen Produkten abhängig wird? Gegenwärtig erscheinen solche Befürchtungen übertrieben.

Erstens ändert sich das Verhalten der Verbraucher: das Interesse an inländischen Alternativen wächst. Zweitens stellt sich ein Teil der Produkte, die ohne Genehmigung der Rechteinhaber geliefert werden, als gefälscht heraus, und der Staat verstärkt aktiv die Kontrolle – von der Kennzeichnung bis zu Nachverfolgbarkeitssystemen.

Drittens sind solche Waren oft teurer, was ihre Wettbewerbsfähigkeit mindert.

Und schließlich ist der politisch-ökonomische Kontext wichtig. Die Behörden haben wiederholt betont: das aktuelle Modell ist eine temporäre Maßnahme, eingeführt als Reaktion auf den Rückzug ausländischer Unternehmen. Langfristig wird es wahrscheinlich nicht zur Norm werden.

Russland bewahrt ein strenges und konsequentes System zum Schutz des geistigen Eigentums, das in den wichtigsten normativen Akten verankert ist. Und angesichts der aktuellen Dynamik bleibt der Kurs zu dessen Erhaltung unverändert.

Roman Danilow, Dozent am Lehrstuhl für Internationales Geschäft der Finanzuniversität.