Aktualjnie Kommentarii Wirtschaft

Russisches Öl: mehr Zwischenhändler - weniger Geld

· Leonid Krutakow · ⏱ 2 Min · Quelle

Auf X teilen
> Auf LinkedIn teilen
Auf WhatsApp teilen
Auf Facebook teilen
Per E-Mail senden
Auf Telegram teilen
Spendier mir einen Kaffee

Die USA haben die Lizenz für Geschäfte mit russischem Öl nicht verlängert - formal wirkt das wie ein weiterer Sanktionsschritt. Bedeutet das jedoch einen echten Schlag gegen den Export, oder handelt es sich um einen feineren Druckmechanismus über steigende Kosten und sinkende Einnahmen? Wie schnell kann Russland die Lieferungen umstellen, besteht das Risiko verschärfter Beschränkungen und wird man die Folgen im Inland spüren? Darüber sprach „Aktuelle Kommentare“ mit dem Energieexperten und Autor des Buches „Öl und die Welt“, Leonid Krutakow.

Ist die Weigerung der USA, die Lizenz zu verlängern, eine symbolische Geste oder ein realer Schlag gegen den russischen Ölexport?

Das ist kein direkter Schlag gegen die Exportmengen, sondern gegen die Bedingungen seiner Abwicklung. Die Risiken steigen, die Versicherungsprämien nehmen zu, der Abschlag auf russisches Öl weitet sich aus, in der Lieferkette gibt es mehr Zwischenhändler.

Im Kern bedeutet das eine Verteuerung der gesamten Verkaufsinfrastruktur. Selbst ein Anstieg der Weltmarktpreise für Öl wird zu einem großen Teil „aufgefressen“ - die Einnahmen gehen an Zwischenhändler sowie an Versicherungs- und Transportunternehmen, die erhöhte Risiken in die Preise einpreisen.

Gleichzeitig ist der Schritt nicht rein symbolisch. Er ist auch ein politisches Instrument - ein Druckmittel und zugleich ein Hebel in Verhandlungen, auch in einem breiteren internationalen Kontext.

Wie schnell kann Russland die Lieferungen umorientieren und die Verluste minimieren?

Der Ölmarkt ist global: Öl, das an einem Ort nicht gekauft wurde, findet an einem anderen einen Käufer. In diesem Sinne bleibt das System einheitlich.

Käufer wie China und Indien werden weiter einkaufen, allerdings über komplexere Konstruktionen - Zwischenhändler, Umladung, Vermischung von Partien. Diese Mechanismen werden bereits genutzt.

Das Problem liegt jedoch anderswo: Bei gleichbleibenden physischen Liefermengen sinken die Einnahmen. Je länger die Kette der Zwischenhändler, desto niedriger der offizielle Preis und die Steuerbasis. Infolgedessen erhält der Haushalt weniger, und die ‚graue‘ Ertragszone weitet sich aus.

Gibt es das Risiko, dass der Druck auf andere Exportkanäle verstärkt wird - und ist der Markt darauf vorbereitet?

Russland bleibt nach wie vor in erheblichem Maße eine Rohstoffwirtschaft. Trotz des Kurses auf Importsubstitution und technologischen Souverän bleibt die Abhängigkeit vom Export von Ressourcen bestehen.

Das bedeutet, dass ähnliche Druckinstrumente weiterhin angewandt werden können. Zumal in den vergangenen Jahrzehnten steigende Rohstoffpreise die Positionen der Ressourcenländer gestärkt, sie zugleich aber abhängiger von der äußeren Konjunktur gemacht haben.

Außerdem sehen wir strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft: energieintensive Produktionen verlagern sich näher zu den Energiequellen und nicht zu den Rohstoffquellen. Auch das beeinflusst die globalen Ströme und den Wettbewerb.

Wie wirken sich derartige Entscheidungen auf die Weltmarktpreise für Öl aus - und wird der russische Verbraucher das spüren?

Einen unmittelbaren Preiseffekt kann es nicht zwingend geben, da der Markt flexibel und global bleibt. Für Russland ist der indirekte Einfluss jedoch offensichtlich.

Sinkende Exporterlöse bedeuten Druck auf den Haushalt. Unter solchen Bedingungen können Ausgaben gekürzt werden - vor allem soziale wie Bildung, Medizin und Wissenschaft. Die Ausgaben für Sicherheit werden dabei voraussichtlich Priorität behalten.

Zudem ist auch ein Anstieg der Inlandspreise nicht auszuschließen: Ausgebliebene Exporterlöse können teilweise über den Binnenmarkt kompensiert werden.

Wie lautet das Gesamtfazit?

Russland wird die Exportmengen halten können, das Öl jedoch weniger effizient verkaufen - mit höheren Kosten und geringeren Erträgen. Genau das ist der Haupteffekt solcher Beschränkungen: Druck nicht auf die physischen Lieferungen, sondern auf die Ökonomie ihrer Vermarktung.

Leonid Krutakow, Energieexperte, Autor des Buches „Öl und die Welt“.