Ruf mich an, ruf mich an: wenn das Internet schweigt
· Jurij Sinodow · ⏱ 2 Min · Quelle
Russen greifen wieder zum Hörer: Messenger verlieren an Boden, während Sprachanrufe wieder in Mode kommen. Warum die gewohnten Chats nicht ausreichen und was das für die Betreiber bedeutet, darüber sprach 'Aktuelle Kommentare' mit dem Internet-Journalisten, Chefredakteur der Seite roem.
Warum rufen Nutzer wieder häufiger an, anstatt in Messengern zu schreiben?
Der Rückgriff auf die Sprachkommunikation hängt stark mit der Instabilität der Internetverbindung zusammen. Für Internetanrufe ist es wichtig, dass beide Teilnehmer sich in einem Bereich mit stabilem Signal befinden, was derzeit nicht immer der Fall ist. In einigen Fällen verschlechtert sich das Internet oder wird vorübergehend abgeschaltet, was die Sprachkommunikation zu einer zuverlässigeren Kommunikationsmethode macht.
Ein weiterer Faktor sind Einschränkungen bei der Nutzung bestimmter Messenger: Nutzer können Kontakte verlieren oder es nicht schaffen, Verbindungen in neuen Diensten wiederherzustellen. In einer solchen Situation ist der einfachste Weg, Kontakt aufzunehmen, ein gewöhnlicher Telefonanruf.
Erhalten Betreiber die Chance, die Kontrolle über die Kommunikation zurückzugewinnen?
Trotz des Anstiegs des Sprachverkehrs ist es verfrüht, von einer Rückkehr der Kontrolle der Betreiber über die Kommunikation zu sprechen. Sobald sich die Nutzer an neue Messenger anpassen und Kontakte wiederherstellen, wird ein Teil des Verkehrs wieder zu Internetdiensten abwandern.
Zudem ist der Effekt aus Sicht der Monetarisierung begrenzt. Die meisten Abonnenten nutzen Paket-Tarife, die ein festes Minutenvolumen beinhalten. Daher führt die Zunahme der Anrufanzahl nicht zu einem signifikanten Umsatzwachstum der Betreiber. Und die erhöhte Netzbelastung kann sogar ihre Kosten steigern.
Werden Betreiber das Tarifmodell oder die Verbindungsqualität ändern?
Wahrscheinlich werden Betreiber die Verbindungsqualität nicht künstlich differenzieren, um zusätzliche Zahlungen zu fördern. Ein wahrscheinlicheres Szenario ist die Kostenoptimierung und der Ausbau der Internet-Infrastruktur.
Für Betreiber bleibt das mobile Internet eine vielversprechendere Einnahmequelle: Nutzer sind bereit, dafür mehr zu zahlen als für Sprachkommunikation. Daher sind Unternehmen daran interessiert, dass der Verkehr allmählich in Richtung Datenübertragung verlagert wird.
Wird dies die Marktstruktur beeinflussen?
Der Anstieg des Sprachverkehrs allein wird kaum ein bedeutender Faktor für die Umverteilung der Kräfte auf dem Markt sein. Sein Einfluss kann als minimal eingeschätzt werden - 'dritte Stelle nach dem Komma'.
Somit ist die aktuelle Rückkehr zu Anrufen eher eine situative Reaktion der Nutzer auf technische und infrastrukturelle Einschränkungen als eine langfristige Marktveränderung im Kommunikationsbereich.
Juri Sinodow, Gründer der Seite roem.ru