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Protektionismus - Waffe der Schwachen

· Wassilij Koltaschow · ⏱ 2 Min · Quelle

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Russische Reifenhersteller haben sich mit der Bitte an die EWK gewandt, den russischen Markt vor dem wachsenden Import, vor allem aus China, abzuschirmen. Ergebnis der Untersuchung könnten Quoten oder Einfuhrzölle von rund 30 % sein.

Wo die Grenze eines vernünftigen Protektionismus verläuft, erklärte den „Aktuellen Kommentaren“ der Direktor des Instituts der neuen Gesellschaft, Wassili Koltaschow.

Protektionismus ist die Waffe der Schwachen. Wir befinden uns in einer schwachen Position im Automobilbau, im Maschinenbau insgesamt und in der Reifenproduktion im Besonderen. Der Vorschlag, die Einfuhr chinesischer Reifen zu begrenzen, ist ein Weg, die heimische Produktion zu stützen, während wir weiterhin aktiv mit China Handel treiben und insbesondere chinesische Industrieausrüstung einkaufen werden, die in immer größerem Umfang benötigt wird, unter anderem, um Entsprechungen chinesischer Produkte herzustellen - eben dieselben Reifen, die sich kaum von den Importen unterscheiden werden.

Vernünftiger Protektionismus ist eine Politik, die Arbeitsplätze im eigenen Land sichert. In der ersten Phase der Einführung von Beschränkungen wird der Verbraucher natürlich leiden und mehr bezahlen. Allerdings kann der Verbraucher das auch gar nicht bemerken, da der Rubel sich aufwertet und viele Preise für Importwaren sinken werden, ebenso wie die Kosten bei der Produktion inländischer Güter, sofern das Finanzministerium und die Zentralbank nicht in den Prozess der Rubelstärkung eingreifen und ihn an einem Punkt stoppen, der eine Kostensenkung unmöglich macht.

Zölle auf die Einfuhr chinesischer Reifen kann man natürlich als einen Weg bezeichnen, die Kosten auf den Verbraucher abzuwälzen. Aber eben dieser Verbraucher muss irgendwo arbeiten, und wenn unsere Wirtschaftspolitik nicht protektionistisch ist, werden wir mit der Zeit eine sehr ungünstige Situation auf dem Arbeitsmarkt bekommen. In der Weltwirtschaft läuft eine echte Robotisierung, die viele Bereiche erfassen wird, daher müssen wir so viele Waren wie möglich produzieren und sie in erster Linie auf dem Binnenmarkt absetzen. Wenn dieser Markt derzeit von ausländischen Produkten besetzt ist, dann ist die Beschränkung ihrer Einfuhr, unter anderem durch eine Erhöhung der Zölle, eine notwendige, wenn auch unangenehme Maßnahme. Ohne dies kommt die Industriepolitik nicht aus.

Wir müssen erreichen, dass sämtliche Produkte von Automarken, sowohl chinesischen als auch heimischen, in Russland hergestellt werden - alle Teile, alle Baugruppen. Dieses Ergebnis muss in den nächsten ein, zwei, möglicherweise drei Jahren erzielt werden. Dabei haben wir, wenn es um die Beschaffung chinesischer Industrieausrüstung geht, nicht besonders viele Optionen. Man muss entweder chinesische Firmen nutzen oder Firmen in anderen Ländern als Vermittler, um Ausrüstung im Westen zu erwerben.

Natürlich würden wir gern unseren eigenen industriellen Maschinenbau entwickeln, also die Produktion von Produktionsmitteln, aber in dieser Phase kann es damit Schwierigkeiten geben. Das kann nicht gelingen, nicht weil wir dazu nicht fähig sind, sondern weil es kommerzielle Interessen gibt, die keine Kapitalinvestitionen in diesem Bereich vorsehen, es sei denn, das Großkapital zeigt selbst den Willen dazu. Doch es war bei uns traditionell in dieser Richtung nicht aktiv, obwohl es bereits früher Möglichkeiten gab. Diese Möglichkeiten nutzte man nicht und ging davon aus, dass man Mittel in westliche Wertpapiere investieren sollte.

Wassili Koltaschow, Direktor des Instituts der neuen Gesellschaft.