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Policen gegen Sorgen

· Artyom Pylyn · ⏱ 3 Min · Quelle

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Der Versicherungsmarkt in Russland wandelt sich mit dem Verhalten der Bürger. Die Menschen sind immer weniger bereit, in langfristige und komplexe Finanzschemata zu investieren, versichern jedoch zunehmend das, womit sie täglich konfrontiert werden: Gesundheit, Wohnung, Auto und digitale Risiken.

Vor dem Hintergrund von Inflation, teuren Krediten und allgemeiner Unsicherheit wird Versicherung allmählich nicht mehr als Investition „für die Zukunft“ wahrgenommen, sondern als Instrument, um Verluste hier und jetzt abzufedern. Die aktuellen Trends im Versicherungswesen diskutierte „Aktuelle Kommentare“ mit Artem Pylin, Dr. rer. pol., Dozent an der Fakultät für Internationales Business der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation.

Warum verliert die Lebensversicherung plötzlich an Wachstumstempo — haben die Menschen das Vertrauen in solche Produkte verloren?

Nicht ganz. Vielmehr erlebt der Lebensversicherungsmarkt in Russland nicht eine Vertrauenskrise, sondern eine Verlangsamung des überdurchschnittlich schnellen Wachstums und eine Neubewertung der Produkte selbst. Die für 2026 erwartete Verringerung des Wachstumstempos in diesem Versicherungssegment ist größtenteils das Resultat des „hohen Basis“-Effekts der letzten beiden Jahre. Darüber hinaus haben die Bürger begonnen, Produkte der fondsgebundenen Lebensversicherung (FLV) kritischer zu bewerten, unter Berücksichtigung ihrer Rendite, die oft unter den Erwartungen lag, und der erhobenen Gebühren.

Schließlich hat sich in der aktuellen Marktlage der Planungshorizont der Menschen verkürzt. Wie bekannt ist die Lebensversicherung ein „Zukunfts“-Produkt. In Zeiten hoher Inflation, instabiler Einkommen, teurer Kredite und wirtschaftlicher Unsicherheit sind die Bürger weniger bereit, ihr Geld für 5–15 Jahre festzulegen.

Bedeutet das Wachstum des Non-Life-Segments, dass die Russen mehr Angst vor Alltagsrisiken haben?

Nicht unbedingt „Angst“. Vielmehr gehen die Bürger pragmatischer mit Risiken um. Das Wachstum der Sachversicherungen in Russland (Auto, Eigentum, freiwillige Krankenversicherung, Transportversicherung, Haftpflicht etc.) hängt in der Regel weniger mit der Psychologie der Angst zusammen als mit der Veränderung der Wirtschaft und den Kosten der Verluste. So sind beispielsweise in den letzten Jahren viele Waren und Dienstleistungen (Autoreparaturen und Ersatzteile, Wohnraum, Medizin) stark im Preis gestiegen, und vor diesem Hintergrund rechnet sich die Versicherung tatsächlich. Gleichzeitig wachsen viele Arten der Sachversicherungen automatisch mit Hypotheken, Autokrediten und Leasingverträgen.

Nach der Einführung umfangreicher westlicher Sanktionen sind die Risiken der Geschäftstätigkeit, die mit Ausfällen neuer Lieferungen, Wartung von Geräten, Zahlungen und Ähnlichem verbunden sind, erheblich gestiegen. In dieser Situation wird die Versicherung zu einem Überlebensinstrument für Unternehmen und nicht zu einer Formalität. Wirtschaftliche und geopolitische Instabilität erhöhen tatsächlich die Nachfrage nach Mitteln zur Schadenminderung, was eine normale Reaktion von Unternehmen und Bürgern auf Zeiten der Ungewissheit ist.

Verabschieden sich Versicherer von komplexen Investitionsschemen — ist das eine Gesundung des Marktes oder ein Ertragsverlust für die Kunden?

Eher beides gleichzeitig. Der Rückzug russischer Versicherer von komplexen investitionsbezogenen Versicherungsprodukten — vor allem von FLV — könnte als Versuch einer Marktgesundung in Bezug auf Transparenz erscheinen. Aber für einige Kunden kann dies den Verlust potenziell hoher (oft illusorischer) Erträge bedeuten. Viele dieser Produkte waren nämlich zu komplex für den Massenkunden. Jetzt verschiebt sich der Markt zu einfacheren Produkten (wie kapitalbildender Lebensversicherung) und kurzen Sparprogrammen.

Welche Versicherungsprodukte werden in den nächsten Jahren für die Massenverbraucher dominieren?

Für die Massenverbraucher in Russland werden die nächsten 3–5 Jahre nicht komplizierte finanzielle Versicherungsprodukte mit langfristigem Planungshorizont dominieren, sondern maximal anwendbare und in den Alltag integrierte Produkte. Versicherungsprodukte werden sich stärker als Dienstleistungen zum Schutz vor konkreten Ausgaben und Risiken in der kurz- und mittelfristigen Perspektive entwickeln.

So ist zum Beispiel die freiwillige Krankenversicherung (VKV) bereits zu einem der wichtigsten Markttreiber geworden, unter anderem dank des Unternehmenssektors, der die VKV zur Mitarbeiterbindung nutzt. Ein weiteres vielversprechendes Feld könnte die Versicherung von Wohnraum und Eigentum sein. Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft könnte auch die Nachfrage nach Schutz vor Internetbetrug und Versicherung von Online-Zahlungen steigen.