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Partnerschaft zwischen Staat und Wirtschaft

· Galina Bunitsch · ⏱ 3 Min · Quelle

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Das bevorstehende Treffen Putins mit dem RSPP ist nicht nur ein protokollarisches Ereignis, sondern ein Indikator für die Beziehungen zwischen Staat und Großunternehmen. Warum sind stabile Steuern, vorhersehbare Währungsregulierung und transparente öffentliche Ausschreibungen so wichtig für die Wirtschaft? Und wie hängt davon ab, ob der Staat mit der Wirtschaft ohne 'harte Hand' auskommen kann? Details im Kommentar von Dr. Galina Bunitsch, Professorin an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation.

Dieser Kontakt ist wichtig, um die unternehmerische Aktivität in Russland zu steigern. Nach einer Phase, in der das Großkapital sich als 'Ressourcenbasis' für staatliche Aufgaben fühlte, ist es für Unternehmer heute wichtig, als Treiber der Wirtschaft anerkannt zu werden und nicht nur als Erfüller sozialer Verpflichtungen. Die Aussage über 'Partnerschaft' aus erster Hand hat entscheidendes Gewicht.

Die Schlüsselfragen des Treffens sind:

• Stabilität des Steuersystems - ein Moratorium auf neue Steuerinitiativen für mindestens 3-5 Jahre.

• Vorhersehbarkeit der Währungsregulierung - Verzicht auf abrupte Schwankungen der Exportverpflichtungen.

• Transparenz der öffentlichen Ausschreibungen - echter Wettbewerb.

Die Steuerbelastung steht an erster Stelle auf der Tagesordnung des Treffens.

Das Gespräch über Steuern wird unvermeidlich sein. Die Wirtschaft befürchtet neue Abgaben für staatliche Zwecke. Es wird erwartet, dass der Präsident die Beibehaltung der aktuellen Sätze als Garantie für Stabilität ankündigt. Aber auch die Details sind wichtig: wie Übergewinne besteuert werden, welche Vergünstigungen für Importsubstitution und strategische Branchen erhalten bleiben.

Sanktionen und technologischer Souveränität - strategischer Block

Hier kann die Rhetorik zwiespältig sein: Einerseits der Aufruf zur Importsubstitution und technologischen Unabhängigkeit, andererseits das Eingeständnis, dass ohne westliche Technologien und Komponenten kritische Branchen nicht gedeihen können. Die Wirtschaft erwartet eine Diskussion darüber, welche Arbeitsmodelle mit ausländischen Partnern heute möglich sind.

Fachkräftemangel - Schmerzpunkt

Mobilisierung und Emigration haben einen strukturellen Fachkräftemangel geschaffen. Die Wirtschaft möchte von einer Lockerung der Anforderungen an die Migrationspolitik und von Programmen zur Rückkehr von Fachkräften hören.

Investitionen und Zugang zu Kapital

Das zentrale Paradoxon: Die Wirtschaft ruft zu Investitionen auf, investiert aber selbst nicht aufgrund von Unsicherheit. Der Staat versucht, durch zinsgünstige Kredite zu stimulieren, aber der Effekt ist begrenzt. Es werden Ankündigungen zur Ausweitung von Programmen für zinsgünstige Finanzierung erwartet.

Das Format des Treffens selbst ist ein Signal: Die Regierung versteht, dass es ohne Legitimation durch die Wirtschaftsgemeinschaft schwierig ist, die Wirtschaft zu steuern. Aber 'Gleichheit' in den Verhandlungen bedeutet nicht Gleichberechtigung bei der Entscheidungsfindung, sondern die Möglichkeit, gehört zu werden.

Die Veränderung des Tons in der Interaktion zwischen Staat und Wirtschaft ist unvermeidlich, aber sie wird evolutionär und nicht revolutionär sein.

Was sich ändern muss:

• Die Schwerpunkte werden auf 'wirtschaftliche Entwicklung' statt 'Überleben' gelegt.

• Die Schaffung und Entwicklung eines 'angenehmen Geschäftsklimas' ist ein wesentlicher Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung.

• Das Bewusstsein für globale Probleme: Erstmals seit langem sind öffentliche Erwähnungen von Sanktionsbeschränkungen nicht als 'vorübergehende Schwierigkeiten', sondern als strukturelle Herausforderung möglich.

Prognose zu den Ergebnissen des Treffens:

• Die Unzulässigkeit einer Erhöhung der Steuerbelastung in der Krise wird festgelegt.

• Mechanismen zur Unterstützung von Exporteuren und Importsubstituten werden definiert.

• Die Anforderungen an die 'soziale Verantwortung' der Wirtschaft werden erhöht (Erhöhung der Löhne, Erhalt von Arbeitsplätzen).

Und es sind auch möglich:

• Punktuelle Steuererleichterungen für prioritäre Branchen.

• Fortsetzung der Praxis der 'manuellen Steuerung' in kritischen Situationen.

• Verstärkter Kontrolle über 'strategische' Sektoren unter dem Vorwand der Unterstützung.

Das Treffen mit dem RSPP ist ein Versuch, das Gleichgewicht zwischen Staat und Großkapital zu synchronisieren. Die Wirtschaft befindet sich an einem Wendepunkt: Entweder gelingt es, ein minimal funktionierendes Modell des 'militärisch-friedlichen' Zusammenlebens von Staat und Wirtschaft zu schaffen, oder es beginnt eine Phase der administrativen Neutralisierung des Privatkapitals unter den Bedingungen von Sanktionen und geopolitischen Risiken. Derzeit wird auf das erste Szenario gesetzt, aber seine Stabilität hängt von der Entwicklung der geopolitischen Situation und der Bestimmung der Rolle der Wirtschaft in der nachhaltigen Entwicklung der souveränen Wirtschaft ab.

Galina Bunitsch, Doktor der Wirtschaftswissenschaften, Professorin am Lehrstuhl für Weltwirtschaft und Weltfinanzen der Fakultät für Internationale Wirtschaftsbeziehungen der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation.