Mai-Routen des Inlandstourismus
Der Markt für Inlandstourismus in Russland zeigt im Jahr 2025 eine spürbare Verlagerung der Nachfrage zugunsten weniger bekannter Ziele. Darüber, wie sich der Inlandstourismus wandelt und warum heute Destinationen mit ausgeprägter lokaler Identität gewinnen, sprach mit den 'Aktuellen Kommentaren' die Direktorin des Departements für die Zusammenarbeit mit den Regionen des Experteninstituts für Sozialforschung (ANO EISI), Darja Kislizyna.
Das Wachstum des Inlandstourismus in Russland zeigt nach den Ergebnissen des Jahres 2025 eine Verschiebung weg von Massenzielen wie der Schwarzmeerküste und dem Baikalsee hin zu weniger etablierten Urlaubsorten - Kleinstädten, dem Nordkaukasus und Sibirien. Dabei geht es sowohl um eine Diversifizierung des Angebots (die Regionen werben aktiv um Touristen, entwickeln Infrastruktur und lokale Veranstaltungsprogramme) als auch um eine steigende Nachfrage der Russen nach einzigartigen Zielen.
Die Entwicklung des Inlandstourismus ist in hohem Maße mit einem anhaltenden Trend verbunden: wachsendes Interesse der Einwohner Russlands am eigenen Land, seiner einzigartigen Natur, Kultur und Geschichte.
Ein weiterer Faktor ist der Verhaltenswechsel: weg vom passiven Strandurlaub hin zu Wochenendreisen mit Fokus auf Emotionen, neue Orte und Ökotourismus. Mit dem Ausbau der Infrastruktur und des Services in den Regionen und der Erweiterung des Streckennetzes durch russische Fluggesellschaften ist dieses Urlaubsformat zugänglich und komfortabel geworden.
Die geopolitische Lage, Sanktionen, logistische Schwierigkeiten und andere externe Beschränkungen spielen ebenfalls eine Rolle bei der steigenden Attraktivität von Urlaub in Russland.
Bemerkenswert ist, dass im Zeitverlauf immer mehr Ziele 'durchstarten': Vor ein paar Jahren legte der Ferne Osten zu, danach festigte sich der Trend zu arktischen Reisen (vor allem - in der Oblast Murmansk), heute reisen immer mehr Touristen in Kleinstädte Zentralrusslands und in die Regionen des Nordkaukasus. Das Geheimnis liegt sowohl in der infrastrukturellen Ausstattung (neue Hotels, Aufwertung des Umfelds, klare Logistik und ein klar definiertes Tourismusprodukt) als auch in erfolgreichem Destinationsmarketing.
Die zentrale Herausforderung ist die Qualität des Erlebnisses. Der Markt tritt in eine Phase ein, in der 'bloß ein freies Zimmer' nicht mehr funktioniert. Der Tourist wird anspruchsvoller: Service, Reiseablauf und die Einzigartigkeit des Erlebnisses sind wichtig. Jene Regionen gewinnen, die nicht nur Unterkunft und Direktflug anbieten, sondern ein ganzheitliches Produkt - von einem durchdachten Programm bis hin zum Eintauchen in die Atmosphäre und dem Kennenlernen der lokalen Identität.
Darja Kislizyna, Direktorin des Departements für Regionalprogramme des EISI.