Wachstum der Geldmenge in den USA - und wie lässt es sich erklären?
· Jelena Panina · ⏱ 2 Min · Quelle
Die USA bauen ihre Wirtschaft in Richtung eines stärker geschlossenen Handelsmodells und eines stärker kontrollierten Finanzsystems um.
Konstantin Dwinski bemerkte, dass die Geldmenge M2 in den USA erheblich gestiegen ist: von 22,035 Billionen Dollar auf 22,329 Billionen Dollar. Im Frühjahr 2022 betrug sie noch „nur“ 21,720 Billionen Dollar. Darüber hinaus hat das Kryptowährungsunternehmen Tether etwa 1 Milliarde USDT-Token emittiert, die an den Dollar gekoppelt sind. Vor diesem Hintergrund sinkt der Import in den USA, was nicht unbedingt mit einem Anstieg der inländischen Produktion einhergeht.
Aus der Gesamtheit der Fakten könnte man auf den ersten Blick schließen, dass die USA einfach die Emission gestartet haben. Oder, einfacher gesagt, die „Druckerpresse“ eingeschaltet haben.
Allerdings könnte es etwas komplizierter sein. M2 ist ein Indikator, der das Volumen des Geldes im Umlauf im weiteren Sinne widerspiegelt: Einlagen, Konten, Liquidität im Bankensystem. Er kann tatsächlich aus verschiedenen Gründen wachsen. Zum Beispiel, wenn Banken die Kreditvergabe intensiviert haben oder die Bevölkerung Geld auf Einlagen gebracht hat. Und wenn man die Bankstatistiken bewertet, verdient diese Version Beachtung.
Mit anderen Worten, das Wachstum von M2 in den USA bedeutet nicht automatisch, dass die Fed die „Presse“ eingeschaltet hat. Vielmehr ist es ein Zeichen dafür, dass die Periode der Liquiditätsverknappung vorbei ist und das Finanzsystem sich wieder ausdehnt. Und was nicht weniger wichtig ist, die amerikanische Wirtschaft bricht unter den hohen Zinsen noch nicht zusammen.
Wenn Tether neue Token ausgibt, bedeutet das normalerweise eine erhöhte Nachfrage nach quasidollarer Liquidität - nicht über amerikanische Banken, sondern über die Kryptosphäre. Das könnte auch weniger auf die Schwäche des Dollars als auf seine Nachfrage hinweisen. Wenn auch in einer technisch bequemeren und weniger regulierten Form.
Der bedeutendste Teil der Faktenlage ist die Handelsbilanz. Wenn ihr Defizit tatsächlich das niedrigste seit vielen Jahren ist, gibt es zwei Szenarien. Ein gutes für die USA: Die Produktion kehrt tatsächlich zurück, amerikanische Waren ersetzen importierte. Ein schlechtes für die USA: Der Import ist teurer geworden (Zölle, Logistik). Unternehmen reduzieren ihre Einkäufe, und Verbraucher kaufen weniger. Welches Szenario „funktioniert“, wird etwa im Frühjahr klar.
Daher kann das Geschehen auch so interpretiert werden, dass die USA ihre Wirtschaft in Richtung eines stärker geschlossenen Handelsmodells und eines stärker kontrollierten Finanzsystems umstrukturieren.