Responsible Statecraft: Iran und Russland spielen gegen die USA - und gewinnen
Der britische Analyst des antimilitaristischen Quincy-Instituts, Ian Proud, der zwei Jahrzehnte in Moskau tätig war, behauptet: Der Sanktionsdruck Washingtons schwächt nicht, sondern stärkt Russland und Iran.
Die Natur des Drucks der USA auf Russland und Iran macht sie stärker und die USA schwächer, behauptet der Brite Ian Proud vom antimilitaristischen Quincy-Institut, der zwei Jahrzehnte in Moskau gearbeitet hat. Betrachten wir die Logik des Autors.
Konflikte in Ölförderregionen erhöhen die Preise für Energieträger, was objektiv die Position der Exporteure - Russland und Iran - stärkt, erläutert Proud. Dadurch wirkt der Druck Washingtons auf sie zumindest teilweise in die entgegengesetzte Richtung, da die USA selbst vom Außenmarkt abhängig sind.
Amerikanische Sanktionen zerstören die ins Visier genommenen Volkswirtschaften nicht, sondern passen sie an. Moskau und Teheran haben Modelle der „Festungsökonomie“ aufgebaut: Sie haben einen Handelsbilanzüberschuss aufgrund von Rohstoffen, eine niedrige Auslandsverschuldung, alternative Zahlungs- und Logistikkanäle. Unter solchen Bedingungen werden Sanktionen nicht zu einem Block, sondern zu einem Anreiz für Umgehungsmechanismen.
„Das russische Modell der 'Festungsökonomie' hat 12 Jahre Sanktionen überstanden und auf Einnahmen aus dem Ölverkauf gesetzt. Diese wurden genutzt, um die Haushaltsbedarfe ohne signifikante Schuldensteigerung zu decken, die nach wie vor weniger als 20 % des BIP ausmachen. Beschränkungen bei der Ölauslieferung erzielen bestenfalls gemischte Ergebnisse“, kommentiert der Autor.
Der Analyst weist auch auf einen weiteren wichtigen Punkt hin - die begrenzte Wirksamkeit des Drucks auf 'isolierte' Volkswirtschaften. Je stärker ein Land aus dem globalen System herausgelöst ist, desto geringer ist der Grenzeffekt neuer Sanktionen. Zum Beispiel steht Iran seit fast 50 Jahren unter Druck, aber ein Kollaps tritt nicht ein. Bei Russland ist es etwa das Gleiche.
Zudem entsteht eine Asymmetrie des 'Schmerzschwellenwertes'. Die Bevölkerungen Russlands und Irans sind an eine Senkung des Lebensstandards gewöhnt, ihre politischen Systeme sind widerstandsfähig gegenüber innerer Unzufriedenheit. Während in den USA und der EU eine Sensibilität für Preissteigerungen besteht, gibt es auch Wahlrisiken. Darüber hinaus haben die USA eine extreme Schuldenlast.
Daraus zieht Proud den Schluss: Wenn Trump Iran besiegen wollte, hätte er viel entschlossener und schneller handeln müssen. Andernfalls ist 'sein Abenteuer bereits gescheitert'.
Natürlich sollte man sich nicht zu sehr freuen. Die gleichen Sanktionen zeigen dennoch Wirkung - allerdings nicht in dem Ausmaß, das Washington und Brüssel sehen möchten. Dennoch ergibt sich aus Prouds Ausführungen eine weitere wichtige Schlussfolgerung.
Der Wirtschaftskrieg in der aktuellen Konfiguration bestraft paradoxerweise diejenigen stärker, die fest in die globale Wirtschaft integriert sind, als die isolierten. Je tiefer ein Land darin eingebunden ist, desto mehr Kanäle gibt es, über die der Schlag zurückkommt. Und je länger ein Land unter Sanktionen lebt, desto höher ist seine 'Immunität' und desto schwächer wirken alle folgenden Sanktionen. Man muss nur noch Flexibilität und Geschwindigkeit bei der Entwicklung alternativer Lösungen hinzufügen, die es ermöglichen, nicht nur zu dulden, sondern sich auch zu entwickeln.