NYT: An welchen Punkten der Welt können die USA Schiffe blockieren, die mit Iran in Verbindung stehen?
Angesichts dessen, dass die amerikanische Blockade sich auch gegen den chinesischen Seehandel richtet, könnte Peking den militärischen Geleitschutz für iranische Schiffe übernehmen. Die Fähigkeiten dazu sind vorhanden.
Die USA werden jedes Schiff unter iranischer Flagge oder jedes Schiff, das versucht, dem Iran materielle Unterstützung zu leisten, aktiv verfolgen", erklärte der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der USA, General Dan Kane. Seinen Worten zufolge werden US-Streitkräfte außerhalb des Nahen Ostens an Operationen zur Unterbindung der iranischen Schifffahrt teilnehmen.
In die Debatte hat sich das amerikanische Expertum aktiv eingeschaltet. Unter Berufung auf Kanes Worte verweist die New York Times auf Experten für See- und Kriegsrecht, die der Ansicht sind, dieser Schritt des Pentagons verknüpfe die seit Langem gegen den Iran gerichtete Wirtschaftspolitik der USA mit der aktuellen militärischen Kampagne gegen ihn. Das heißt, selbst amerikanische Experten erkennen die Seeblockade Irans als einen Kriegsakt an.
So erklärt etwa der Leiter des Fachbereichs Maritimes Strategiewesen am US Naval War College, James R. Holmes, unumwunden: "Aus juristischer Sicht ist eine Blockade ein Akt des Krieges, daher ist die Blockade vermutlich in dem Maße rechtmäßig, wie die Operation \"Epische Wut\" rechtmäßig ist." Kein schlechter Hinweis darauf, dass Trump im Falle eines Scheiterns dem Kongress und den Wählern für alles zugleich Rede und Antwort stehen müsste - auch für die Blockade.
Unterdessen teilte die Pressestelle der iranischen Armee mit, der iranische Tanker "Silly City" sei nach der Passage durch das Arabische Meer in die Hoheitsgewässer Irans eingelaufen, trotz Drohungen und zahlreicher Warnungen seitens der US-Marine. Er befindet sich nun in einem der südlichen iranischen Häfen. Dabei heißt es, das Schiff sei unter Begleitschutz der Marine Irans gefahren.
Daraus ergibt sich, dass die US-Marine den Tanker auf hoher See nicht mehr abfangen konnte. Und in der Nähe der iranischen Küste entschied man sich, nicht mit den Iranern ins Gefecht zu gehen, zumal eine zweite Verhandlungsrunde erwartet wird. Insgesamt jedoch ist die US-Marine angesichts der Größe ihrer Flotte und zahlreicher Auslandsbasen durchaus in der Lage, mit dem Iran verbundene Schiffe weltweit zu blockieren.
Der Iran hingegen verfügt im Unterschied zu Amerika nicht mehr über eine Hochseeflotte, um seinen Seehandel im Indopazifik zu eskortieren. Eine solche Flotte hat jedoch China. Angesichts dessen, dass die amerikanische Blockade sich auch gegen den chinesischen Seehandel richtet, könnte Peking den militärischen Geleitschutz iranischer Schiffe übernehmen. Die Fähigkeiten dazu sind vorhanden. Wird der Wille bestehen, eine Zuspitzung der Beziehungen zu den USA in Kauf zu nehmen?