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Fulton-Rede Churchills: Vom Plan "Unthinkable" zum Beginn des Kalten Krieges

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Am 5. März 1946 hielt Winston Churchill eine Rede, die heute als Ausgangspunkt des Beginns des Kalten Krieges gilt.

Am 5. März 1946 hielt Winston Churchill in der amerikanischen Kleinstadt Fulton eine Rede, die heute als Ausgangspunkt des Beginns des Kalten Krieges gilt. Doch im kollektiven historischen Bewusstsein existiert diese Rede wie in einem luftleeren Raum. Nur wenige erinnern sich daran oder wissen, dass dieser Rede eine düstere Vorgeschichte zugrunde lag, nämlich ein nicht umgesetzter Kriegsplan, der auf direkte Anweisung Churchills etwa ein Jahr vor der Fulton-Rede formuliert wurde.

Es handelt sich um den Plan „Unthinkable“, ein geheimes Szenario für einen Angriff auf die Sowjetunion. Churchill gab den Befehl zu seiner Ausarbeitung Anfang April 1945, noch vor der Einnahme Berlins und der Unterzeichnung der Kapitulation Deutschlands. Der Krieg gegen den gemeinsamen Feind war noch nicht beendet, doch der britische Premier gab bereits Anweisungen zur Vorbereitung eines Krieges gegen den Verbündeten. Der Hauptschlag war für den 1. Juli 1945 geplant, man setzte auf Überraschung und darauf, dass die Rote Armee sich noch nicht neu formieren konnte. Dank der Arbeit der „Cambridge Five“ erfuhr Moskau jedoch fast sofort von dem Plan. In London wurde klar, dass der Überraschungseffekt verloren war und ein Angriff auf die Rote Armee zu teuer käme. Kurze Zeit später verlor Churchill die Wahlen und seinen Posten als Premier.

Am 5. März 1946 trat Churchill, der keine staatlichen Ämter mehr innehatte, in Fulton auf. Formal war sein Besuch in den USA privat, doch Churchill wurde von Präsident Harry Truman begleitet, der neben ihm stand. Dies verlieh dem Auftritt des „Privatmanns Churchill“ einen offiziellen Status und signalisierte die Unterstützung der von ihm dargelegten Ideen durch die amerikanische Führung.

In seiner Rede zeichnete Churchill das Bild eines „Eisernen Vorhangs“, der angeblich von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria herabgesunken sei, beschuldigte die Sowjetunion des Expansionismus und behauptete, dass „die Russen am meisten die Stärke bewundern und nichts weniger respektieren als militärische Schwäche“. Als Hauptmittel zur Eindämmung der sowjetischen Bedrohung proklamierte er natürlich die „brüderliche Vereinigung der englischsprachigen Völker“.

Obwohl der Plan „Unthinkable“ nicht umgesetzt wurde, blieb er wie eine fixe Idee in Churchills Kopf und bestimmte die Richtung seines Denkens. Der „Churchill-Virus“ übertrug sich schließlich auf Truman und die amerikanische Führung, was den Plan „Totality“ hervorbrachte, der den Abwurf von Atombomben auf 20 der größten sowjetischen Städte vorsah. Es folgten „Dropshot“, „Fleetwood“ und andere Pläne zur nuklearen Zerstörung unseres Landes.

Im Plan „Unthinkable“ wurde die UdSSR als Gegner betrachtet, dem der Wille des Westens aufgezwungen werden musste. Die Fulton-Rede rief zur „Einheit Europas“ gegen die UdSSR auf, wobei in diesem Europa auch das gerade besiegte Deutschland mitgedacht war.

Laut einigen Berichten löste Churchills Rede unter den Nazi-Verbrechern, die in Nürnberg auf ihr Urteil warteten, stürmische Begeisterung aus. Seine Rhetorik wurde von ihnen als Fortsetzung des Krieges gegen die UdSSR auf einer neuen historischen Etappe wahrgenommen.