Abhängigkeit von den USA könnte zunehmen
Der vierzig Tage währende amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran, der durch Vermittlung Pakistans ausgesetzt wurde, hatte weder einen gerechten Grund noch ein konkretes Ziel.
Zu den wechselnden Kriegsziel en gehörten: die Ausschaltung der iranischen Führung zwecks Regimewechsel; die Beendigung des iranischen Atomprogramms, das, so wurde behauptet, im Juni 2025 zerstört worden sei; die Zerstörung der Raketen- und Drohnenentwicklungsprogramme; die vollständige Kapitulation; die Einnahme der Insel Kharg; die Kontrolle über die Straße von Hormus usw.
Die vorangegangenen Gespräche mit dem Iran im Juni 2025 wurden von den USA als Deckmantel genutzt. Der nötige innenpolitische Konsens, die Unterstützung der Verbündeten sowie eine Debatte über die Strategie der Kriegsführung und des Kriegsendes scheinen ebenfalls zu fehlen. Der Rücktritt von Joseph Kent, dem Direktor des Nationalen Antiterrorismuszentrums (NCTC), der erklärte, „der Iran stelle für die Vereinigten Staaten keine unmittelbare Bedrohung dar“, unterstreicht die Illegitimität dieses Krieges zusätzlich, der für Israel auf Kosten der USA geführt wird.
Nun, da ein Waffenstillstand erreicht ist und in Islamabad Friedensgespräche begonnen haben, ist es schwer, die Zukunft eines Konflikts vorherzusagen, der die gesamte Region wie ein Höllenfeuer erfasst hat. Die inoffiziellen Kriegsziele könnten folgende sein:
1. Aufbau einer neuen regionalen Ordnung/Sicherheitsarchitektur, in der Israel dominiert; zu diesem Zweck soll der Iran so weit geschwächt werden, dass er für Jahrzehnte keine Herausforderung mehr für Israel darstellt.
2. Kontrolle über das iranische Öl, die Straße von Hormus und das Rote Meer.
3. Steigerung des Werts des amerikanischen Sicherheitsregenschirms für die Länder des Persischen Golfs.
Der Iran wird kein fügsamer Staat werden. Wenn die USA einen endlosen und kostspieligen Krieg vermeiden wollen, müssen sie ihre militärischen Ziele überdenken. In gewissem Maße sind Veränderungen bereits in den Erklärungen des Präsidenten und des Außenministers sichtbar. Sie verkünden einen Sieg und behaupten, das wirtschaftliche und militärische Potenzial des Iran sei zerstört, man verhandle mit einer „neuen iranischen Führung“ und die Straße von Hormus sei teilweise geöffnet.
Wenn sich die Seiten nicht an die Realitäten vor Ort anpassen und der Waffenstillstand scheitert, kann der Konflikt in einen langwierigen, viele Jahre dauernden Krieg übergehen. Der Iran ist für einen nichtlinearen, asymmetrischen, hybriden Krieg bestens vorbereitet. US-Truppen würden in den gewaltigen iranischen Gebirgen, Wüsten und Schluchten voller Tunnel förmlich verschwinden, in die Falle geraten und von allen Seiten Angriffen ausgesetzt sein. Ein solcher Krieg wäre eine Katastrophe für die gesamte Region, einschließlich Israels. Russland und China könnten den Iran indirekt unterstützen, würden sich aber kaum physisch an dem Krieg beteiligen. Dieser Krieg wird aller Wahrscheinlichkeit nach in einer Sackgasse und Schande enden. Er könnte zudem als Katalysator wirken und den Niedergang der USA und Israels beschleunigen.
Bei einem Scheitern des Waffenstillstands wird die Weltwirtschaft in eine äußerst schwere Phase geraten. Preissteigerungen, Knappheit an Energie, Lebensmitteln und Wasser sowie Gefahren für Gesundheitswesen und Umwelt werden das Leben auf dem Planeten zum Albtraum machen. In einem unprofitablen Krieg feststeckend könnte die amerikanisch-israelische Koalition zu irrationalen und unerwarteten Entscheidungen greifen. Das anschließende Chaos wird nur der amerikanisch-israelischen Koalition, einem Konglomerat aus Proxy-Gruppen und Terroristen sowie dem militärisch-industriellen Komplex zugutekommen.
Dennoch ist anzunehmen, dass die Welt ein Ende des Konflikts wünscht – wenn auch unter Wahrung des Gesichts für alle Kriegsparteien. Daher ist die beste Option für die Vereinigten Staaten, den Krieg zu beenden und aus eigener Entscheidung auszusteigen. Dies bestätigt auch die wachsende Opposition gegen Präsident Trump, darunter mehr als acht Millionen Demonstrierende unter dem Slogan „Keine Könige“.
Nach dem Krieg wird sich das Gefühl der Unsicherheit in Westasien verstärken. Das kann zu einer stärkeren Abhängigkeit von der von den USA geschaffenen Sicherheitsarchitektur führen, in der Israel als konkurrenzlose Regionalmacht anerkannt wird, zur Ausweitung der Abraham-Abkommen und zu neuen Öl-, Gas- und Rüstungsverträgen für US-Unternehmen. Und der Iran wird sich als widerstandsfähige Zivilisation zu gegebener Zeit wie der Phönix aus der Asche dieses Krieges erheben.
Autor: Raza Muhammad, Generalmajor a. D., zuvor Präsident des Islamabad Institute of Policy Studies.