Yandex am Netz
Yandex bereitet den Start eines virtuellen Mobilfunkanbieters bereits für den Sommer vor. Darüber, ob diese Initiative ein Versuch ist, in den Telekommarkt einzusteigen, oder ob es um die Erweiterung des Ökosystems mit stärkerer Kontrolle über den Nutzer geht, sprach Актуальные комментарии mit dem Internetjournalisten und Chefredakteur der Website roem.
Mit Jurij Sinodow.
Wie kritisch ist für Yandex der Zugriff auf Teilnehmerdaten?
Yandex verfügt, vielleicht nicht über jeden einzelnen Abonnenten, aber über ausreichend Big Data, weil auf sehr vielen Telefonen seine Apps installiert sind, darunter auf Android, wo der Schutz des Systems vor dem Abgriff unterschiedlichster Informationen bislang nicht sehr hoch ist. Daher ist es verfrüht zu behaupten, Yandex werde seine Datenqualität nun grundlegend verbessern, nur weil es zusätzlich einen eigenen Betreiber hat. Nichtsdestotrotz werden diese Daten natürlich ebenfalls gesammelt, ausgewertet und in bestimmter Weise in der Arbeit mit den Nutzern eingesetzt.
Der Start eines eigenen Betreibers wird Yandex erlauben, die eigenen Ausgaben für SMS-Benachrichtigungen zu senken, von denen Yandex ziemlich viele verschickt, und zwar nicht nur Push-Mitteilungen. Das Unternehmen hat eine eigene Bank, und wenn es hier Überschneidungen gibt, spart es nicht nur bei SMS, sondern gibt diese Daten auch nicht an fremde Betreiber weiter, was vermutlich sogar wichtiger ist als die Einsparung.
Gibt es das Risiko, dass der Nutzer zwar Bequemlichkeit gewinnt, dafür aber mit noch größerer Abhängigkeit bezahlt?
Ich würde nicht sagen, dass der Wechsel von einem Betreiber zu einem anderen allzu kompliziert oder belastend ist. Wenn beim Nutzer zum Beispiel Festnetzinternet und Mobilfunk an dasselbe Konto gebunden sind, kann es allerdings tatsächlich Probleme geben. Was externe Internetdienste betrifft, spielt der Betreiber im Prinzip keine wesentliche Rolle, solange die Rufnummernmitnahme erfolgt. Das Einzige, was passieren kann, sind einige technische Störungen, etwa wenn interne Dienste nicht mitbekommen haben, dass der Nutzer bereits zu einem anderen Betreiber gewechselt ist, und weiterhin SMS an die alte Nummer senden. So etwas kommt vor, lässt sich aber in der Regel schnell durch eine Anfrage beim Betreiber beheben.
Kann Yandex Ihrer Ansicht nach mit der großen Vier konkurrieren?
Nein, natürlich nicht, denn wenn ein Unternehmen seinen eigenen Betreiber auf Basis der Netze der großen Vier aufsetzt, ist offensichtlich, dass es von einer Vielzahl von Faktoren abhängig sein wird.
Aber es würde mich nicht wundern, wenn Yandex die Option prüft, eben jenen Beeline zu kaufen, und sie dafür ein wenig 'Operator spielen' wollen, um dieses Geschäft von innen zu betrachten. Deshalb wählen sie für sich die kompliziertere Variante, den sogenannten Medium-MVNO, also einen virtuellen Mobilfunknetzbetreiber (MVNO) mittlerer Ausprägung.
Schaut man darauf, was Yandex heute darstellt, ist ein eigener Betreiber eine gute Idee, denn das Unternehmen baut ein Netz vernetzter Elektroautos auf und plant deren Produktion. Die Möglichkeit, SIM-Karten zu internen Tarifen zu aktivieren und die gesamte Telemetrie zu übertragen, die dieses Fahrzeug liefert (hier kann es um Gigabytes pro Monat gehen, und falls ein LiDAR-Autopilot hinzukommt, womöglich sogar um Dutzende von Gigabytes), kann für den Bereich autonomer Fahrzeuge geschäftskritisch werden.
Außerdem ist nicht ausgemacht, dass Beeline sich als allzu teurer Zukauf erweist. Derzeit ist das schwer zu bewerten, weil das Unternehmen keine gute Börsenbewertung hat. Mit anderen Worten, Konkurrenz ist möglich, aber dann mit der großen Drei, falls Beeline am Ende an Yandex verkauft wird.
Jurij Sinodow, Gründer der Website roem.ru