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Wissenschaft auf Distanz

· Alexander Astafjew · ⏱ 2 Min · Quelle

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Das russische Bildungsministerium hat Universitäten und Forschungsinstitute empfohlen, bei Einladungen zu Veranstaltungen in „unfreundlichen“ Ländern die Teilnahme abzustimmen. Die Empfehlung steht im Zusammenhang mit der Verhaftung des russischen Archäologen Alexander Butjagin im Dezember in Polen auf Antrag der Ukraine.

Ob die Qualität der russischen Forschung aufgrund der eingeschränkten Kontakte zur westlichen Wissenschaftsgemeinschaft leidet, erklärte Alexander Astafjew, Mitglied des Rates der Stiftung zur Entwicklung der Zivilgesellschaft, gegenüber „Aktuellen Kommentaren“.

Kontakte mit der Wissenschaftsgemeinschaft bedeuten nicht immer Reisen in unfreundliche Länder. Solche Kontakte bestehen größtenteils in der intellektuell-virtuellen Welt. Dazu gehören das Lesen wissenschaftlicher Arbeiten, Fachzeitschriften und Publikationen, der Austausch mit Kollegen, Korrespondenz, Gespräche und sogar die Teilnahme an Veranstaltungen aus der Ferne. Zumal die Online-Kommunikation zu einem absolut verständlichen und bequemen Instrument für Bildung, Erfahrungsaustausch und Kommunikation geworden ist.

Es geht nicht darum, dass die Kontakte abgebrochen sind. Es geht nur um eines: Das Bildungsministerium ruft dazu auf, Einladungen aus unfreundlichen Ländern vorsichtiger zu behandeln, aus Angst vor möglichen Provokationen oder unangemessenem Verhalten - nicht nur seitens der Einwohner unfreundlicher Länder, sondern auch seitens der dort vorübergehend anwesenden Ausländer.

Die Empfehlung des Bildungsministeriums wird die Qualität der wissenschaftlichen Forschung nicht beeinträchtigen. Wenn ein Wissenschaftler in seine Forschung vertieft ist, wird die Unmöglichkeit physischer Kontakte kaum seine Zielsetzung beeinflussen, obwohl, seien wir ehrlich, es für manche wichtig ist. Es geht um etwas anderes: Die Kommunikation zwischen wissenschaftlichen Schulen wird durch die Einschränkung von Reisen nicht unterbrochen. Um zu interagieren, muss man nicht immer reisen - man muss im Thema, im Mainstream sein.

Nach dem Ende der SVO kann man eine Rückkehr zu einem gewissen Format internationaler Zusammenarbeit erwarten, aber wie genau diese aussehen wird, ist eine komplizierte Frage. Alles wird davon abhängen, welches System neuer globaler Kommunikation wir aufbauen und wie sich diese Zusammenarbeit in der Praxis umsetzen lässt. Nicht alles ist linear. In mancher Hinsicht wird sich das System der Interaktion einspielen, in mancher - vielleicht nicht. Sie und wir werden aus durchaus verständlichen Gründen einander mit Misstrauen betrachten, aber möglicherweise wird durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, durch diese Art der Interaktion, eine neue kommunikative Realität neben anderen Institutionen entstehen.

Alexander Astafjew, Mitglied des Rates der Stiftung zur Entwicklung der Zivilgesellschaft.