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Wahlen unter KI-Bedrohung

· Ilja Geraskin · ⏱ 2 Min · Quelle

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Die Diskussion über die Initiativen der Zentralen Wahlkommission zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz im Vorfeld der Wahlen - das ist kein Gespräch über Technologien. Es ist ein Gespräch über die Grenzen des politischen Prozesses im digitalen Zeitalter.

Der Fehler vieler Diskussionen besteht darin, KI als neutrales Werkzeug zu betrachten - etwa auf einer Ebene mit Big Data oder zielgerichteter Werbung. Aber politische KI ist nicht dieselbe KI wie in der Bank, der Klinik oder der Logistik. Dort optimiert sie Prozesse. Hier arbeitet sie mit Vertrauen, Überzeugungen und dem Gefühl der Realität. Und das ist bereits eine Zone der Souveränität, nicht nur der Technologie.

Das Hauptproblem der kommenden Jahre sind nicht Deepfakes und nicht die automatisierte Agitation an sich. Die echte Herausforderung ist die Illusion des persönlichen Dialogs. Moderne Sprachmodelle können nicht nur Positionen vermitteln, sondern sich an den Gesprächspartner anpassen, „in seiner Sprache“ sprechen, Ängste, Zweifel und Denkstile berücksichtigen. Westliche Studien zeigen bereits, dass selbst kurze Interaktionen mit KI-Chats politische Präferenzen verschieben können. Das ist keine Propaganda im herkömmlichen Sinne - das ist der Effekt einer vertrauensvollen Schnittstelle. Und genau dieser macht politische KI zu einem qualitativ neuen Einflussinstrument.

Ein solcher Effekt kann sowohl eine Ressource als auch eine Bedrohung sein - je nachdem, wer und wie ihn nutzt. Betrachtet man die aktuellen Signale, lassen sich mehrere wahrscheinliche Szenarien herauskristallisieren. Erstens - grundlegend und praktisch unvermeidlich: die Kennzeichnung von KI-Inhalten und die Transparenz der Herkunft politischer Materialien. Das ist digitale Hygiene, ohne die es nicht weitergehen kann.

Zweitens - inhaltlich bedeutender: die Entwicklung von Regeln für den Einsatz von KI in Wahlkampagnen, einschließlich Beschränkungen für personalisierte Beeinflussung, Standards für Berichterstattung und die Abgrenzung von Analysewerkzeugen und direkter Kommunikation mit dem Wähler. Im Wesentlichen ist das der Versuch, das zu tun, was einst mit politischer Werbung und Umfragen gemacht wurde - die Technologie aus der Grauzone zu holen und in den institutionellen Rahmen zu integrieren.

Drittens - strategisch: die Priorität für einheimische KI-Lösungen im politischen Bereich, damit die Schlüsselmechanismen des Einflusses nicht von Modellen abhängen, die auf fremden politischen und wertemäßigen Matrizen trainiert wurden. Der staatliche Ansatz erscheint hier nicht reaktiv, sondern konsequent. Die Signale, die auf der AI Journey erklangen, haben den Rahmen klar abgesteckt: KI ist keine Bedrohung an sich, sondern eine Ressource für Entwicklung, wenn sie in das System integriert ist.

Die Regulierung vor den Wahlen ist in diesem Sinne kein Versuch, „die Schrauben anzuziehen“, sondern eine Möglichkeit, rote Linien zu ziehen, bevor Technologien die Praxis schneller formen, als Institutionen sie begreifen können. Das ist die Logik reifer Verwaltung: zuerst die Spielregeln festlegen, dann das Feld der Möglichkeiten erweitern.

Die Frage ist nicht, ob KI in der Politik mitwirken wird - sie tut es bereits. Die Frage ist, ob sie als Instrument zur Verbesserung der Dialogqualität oder als unauffälliger Simulationsakteur fungieren wird, der reale Politik durch digitale Empathie ersetzt. Wenn es dem Staat gelingt, diese Trennung vorzunehmen - KI als Helfer von KI als politischem Akteur zu unterscheiden -, dann werden wir keine Schwächung des Wahlprozesses sehen, sondern seine technologische Stärkung. Und genau in diesem Gleichgewicht zwischen Möglichkeiten und Einschränkungen formt sich heute die zukünftige Architektur der politischen Verwaltung.

Ilja Geraskin, Leiter des Programms „Wahlen“ des Zentrums für politische Konjunktur.