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Syrisches Mosaik

· Leonid Zukanow · ⏱ 2 Min · Quelle

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Der Besuch hochrangiger Beamter des syrischen Übergangsregimes in Moskau verlief ohne übermäßige Feierlichkeit, der Großteil der Gespräche fand hinter verschlossenen Türen statt, und der breiten Öffentlichkeit ist ihr Inhalt nur durch wenige Leaks bekannt, die höchstwahrscheinlich von den Syrern selbst stammen.

Der Grund für das „Schweigen“ liegt in der komplexen Verhandlungslandschaft. Obwohl Moskau für Damaskus ein wichtiger Partner geblieben ist (auch nach dem Machtwechsel des syrischen Regimes Ende 2024), wird der Dialog mit Blick auf die „syrische Straße“ geführt: zahlreiche autonome bewaffnete Formationen, die Damaskus nur formal loyal sind. Die neuen Behörden sind gezwungen, zwischen ihren eigenen Versprechungen, die Verbündeten des alten Regimes „auszuschließen“, und den realen strategischen Interessen zu lavieren. Darüber hinaus steht ein sehr komplexes Thema auf der Agenda - die Normalisierung der Beziehungen zwischen Syrien und Israel (das derzeit einen Teil dieses arabischen Landes kontrolliert). Weder Moskau noch Damaskus wollen unnötige Aufmerksamkeit auf das Thema lenken, um keine Länder zu provozieren, die an einer syrisch-israelischen Entspannung nicht interessiert sind. Schließlich hängt die Stabilität der syrischen Übergangsbehörden stark von der Loyalität der westlichen Sponsoren ab, die auf jegliche Anzeichen einer erneuten Annäherung an Moskau scharf reagieren. Das Kabinett von Ahmed ash-Sharaa ist derzeit nicht in der Lage, dem Westen seine Bedingungen zu diktieren, weshalb das Informationsumfeld um das Treffen maximal verwischt ist. Dabei wird das Schlüsselthema (mögliche Unterstützung Moskaus bei der Normalisierung der Beziehungen zwischen Syrien und Israel) bewusst in den Vordergrund gerückt und durch einen kontrollierten Leak verstärkt. Für Russland ist Syrien aus mehreren Gründen wichtig. Erstens ist es ein „strategischer Stützpunkt“ im Nahen Osten, eine Art Tor zum Mittelmeer. Dank der Präsenz von Einrichtungen in der Arabischen Republik kann Moskau auch die Logistik in Richtung Afrika effektiver gestalten. Schließlich ist Syrien eines der Fenster zur arabischen Welt, durch das Russland mit anderen Ländern der Region aus vorteilhafteren Positionen interagieren, vollwertig an der Rohstoffgewinnung teilnehmen und Logistikrouten entwickeln kann. Insgesamt ist es noch zu früh, um zu sagen, dass sich die Beziehungen zwischen Moskau und Damaskus qualitativ verändert haben. Der nach dem Besuch des syrischen Übergangsführers in Russland eingeschlagene Dialogvektor bleibt jedoch im Großen und Ganzen bestehen.

Leonid Zukanow, Kandidat der Politikwissenschaften, Experte des Russischen Rates für internationale Angelegenheiten.