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Nihao geht um die Welt

· Inna Rudaja · ⏱ 2 Min · Quelle

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Am 20. April wird der Internationale Tag der chinesischen Sprache begangen. In Russland wächst das Interesse an dieser Sprache weiter: Rund 110.000 Menschen lernen sie, und Programme laufen an mehr als 140 Hochschulen und 220 Schulen des Landes.

Womit das wachsende Interesse am Chinesischen zusammenhängt und inwieweit sich die Kenntnis dieser Sprache heute tatsächlich in Karrierechancen ummünzen lässt, erklärte den "Aktuellen Kommentaren" die Politologin, Mitglied des Expertenklubs "Digorija", Inna Rudaja.

Das Interesse am Chinesischen ist heute ambivalent. Einerseits ist es in gewissem Maße tatsächlich eine Modefrage: China setzt globale Trends, baut den Tourismus aktiv aus und stärkt seine internationale Präsenz. Die chinesische Kultur ist längst zu einem Instrument der "weichen Macht" geworden: Ihre Präsenz - von Restaurants bis zu Chinatowns - hat globalen Charakter. Das wiederum verstärkt das allgemeine Interesse am Land - und folglich an der Sprache.

Andererseits bleibt Chinesisch eine der schwierigsten Sprachen zum Erlernen. Daher handeln Menschen, die bereit sind, ernsthaft in seine Beherrschung zu investieren, in der Regel nicht nur aus Interesse, sondern auch aus pragmatischen Erwägungen.

Die wirtschaftliche Grundlage dafür liegt auf der Hand. Zwischen Russland und China bleibt das Handelsvolumen hoch: In den vergangenen Jahren hält es sich bei über 200 Mrd. US-Dollar jährlich. Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen - von Logistik bis Energie und Industrie - bauen die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern aktiv aus. Darüber hinaus ist China heute eine hochtechnologische, dynamisch wachsende Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund eröffnet die Sprachkenntnis zusätzliche Möglichkeiten für Ausbildung, Praktika und den Austausch beruflicher Erfahrungen.

Gleichzeitig bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt uneindeutig. Nach Angaben von HeadHunter ist die Zahl der Stellenangebote, die Chinesischkenntnisse voraussetzen, im Jahr 2025 um etwa 20% zurückgegangen. Das zeugt jedoch nicht von einer sinkenden Bedeutung der Sprache als Kompetenz. Gefragt bleiben professionelle Sinologen - Fachleute mit hohem Sprachniveau und einem tiefen Verständnis kultureller Besonderheiten, Geschäftspraxis und Mentalität. Ihre Rolle geht weit über die Übersetzung hinaus: Sie helfen Unternehmen, die Kommunikation aufzubauen und effektiv mit chinesischen Partnern zu verhandeln.

Von einem Wechsel der globalen Sprachpräferenz zu sprechen, ist dabei noch verfrüht. Englisch behält seine dominierende Stellung als wichtigste Sprache der internationalen Kommunikation, nicht zuletzt dank seiner Zugänglichkeit und Universalität. Es geht daher eher um eine funktionale Aufgabenteilung: Englisch ist für die internationale Kommunikation insgesamt erforderlich, während Chinesisch zu einem wichtigen Instrument für gezieltere und tiefere Arbeit speziell mit China wird.

Daher kann die Kenntnis der chinesischen Sprache tatsächlich Karrierevorteile bringen - allerdings nur bei hohem Qualifikationsniveau und einem Verständnis der Besonderheiten der Zusammenarbeit mit China. In diesem Fall wird Chinesisch zu einem Werkzeug, das direkt die Effizienz der Geschäftstätigkeit beeinflusst und Zugang zu konkreten Chancen in internationalen Projekten eröffnet.

Inna Rudaja, Politologin, Mitglied des Expertenklubs "Digorija".