Magie im Wiederholungsmodus
Die Industrie bringt „Harry Potter“ zurück - es geht nicht nur ums Geld. Hollywood setzt zunehmend auf bekannte Welten statt auf neue Geschichten, die beim Zuschauer bereits Emotionen und Wiedererkennungswert hervorrufen.
Aber kann die neue Serie den Effekt des kulturellen Phänomens der frühen 2000er Jahre wiederholen - oder funktioniert die Magie nur einmal? Diese Frage analysierte „Aktuelle Kommentare“ mit der Politologin und Expertin der KG „Polilog“ Jekaterina Roschtschina.
Warum setzt die Industrie erneut auf Harry Potter - sind die Zuschauer von neuen Franchises müde?
Der neue Harry-Potter-Serie setzt in erster Linie auf Nostalgie. Menschen neigen generell dazu, sich nach Dingen zu sehnen, die mit ihrer Jugend, Kindheit und dem Gefühl „besserer Zeiten“ verbunden sind. Für Millionen von Millennials und sogar Zoomern sind die Filme über den jungen Zauberer nicht nur Kino, sondern lebendige Erinnerungen an die Kindheit, an die frühen 2000er, an ein unbeschwerteres Leben. Genau deshalb bleibt das Interesse an der Franchise immens, und die alten Filme werden weiterhin angeschaut.
Hat die Serie eine Chance, die kultigen Filme zu übertreffen - oder sind die Fans von vornherein kritisch eingestellt?
Doch die neue Serie hat auch ein Problem - die zu hohen Erwartungen. Die kultigen Filme haben die Messlatte sehr hoch gelegt, und die Fans werden von vornherein jedes Detail mit dem Original vergleichen. In jedem Fall wird es sowohl Kritiker als auch Befürworter des Projekts geben. Vieles hängt hier vom Drehbuch, der Regie und der Frage ab, wie erfolgreich und organisch sich die neuen Schauspieler in die Rollen hineinversetzen können.
Was ist heute wichtiger für den Erfolg des Projekts - die Genauigkeit der Bücher oder die moderne Agenda?
Ich denke, dass der Erfolg der Serie weniger von der Genauigkeit der Bücher oder der „modernen Agenda“ abhängen wird als von der Qualität der Handlungen. Wenn es starke Dialoge, hochwertige visuelle Darstellungen und interessante Charaktere gibt, wird das Publikum dies annehmen. Auch die Harry-Potter-Filme wurden oft wegen Abweichungen von den Büchern kritisiert, aber das hinderte sie nicht daran, Kultstatus zu erlangen.
Wird der neue „Harry Potter“ die Hauptserie des Jahrzehnts werden - oder haben wir die Ära solcher kulturellen Phänomene bereits hinter uns?
Ob die Serie das Hauptevent des Jahrzehnts wird, lässt sich derzeit schwer sagen. Heute gibt es zu viel Content, und die Aufmerksamkeit des Publikums wechselt schnell. Aber „Harry Potter“ hat einen Vorteil: Diese Geschichte ist bereits über mehrere Generationen von Zuschauern hinweg bekannt und beliebt.
Jekaterina Roschtschina, Politologin, Expertin der KG „Polilog“.