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Intelligenz zur Miete

· Jekaterina Nabatnikowa · ⏱ 2 Min · Quelle

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Künstliche Intelligenz dringt immer aktiver in die Universitätsumgebung ein - und verändert die Prinzipien des Lernens. Warum die Ursache nicht „faule Studenten“ sind, sondern veraltete Aufgabenformate. Wo die Grenze zwischen Hilfe und Ersatz des Denkens verläuft und welche Regeln Hochschulen benötigen, um die Bildungsqualität zu erhalten - im Kommentar der Medientechnologin, Entwicklungsdirektorin der Corporation AIR und Mitglied der EK «Digoria», Jekaterina Nabatnikowa.

Wenn tatsächlich jede vierte studentische Arbeit unter Beteiligung künstlicher Intelligenz erstellt wird, zeigt dies nicht so sehr eine Krise der Hochschulbildung, sondern die Unzulänglichkeit des bisherigen Bewertungsmodells. Das Problem liegt nicht im KI selbst, sondern darin, dass ein erheblicher Teil der Lernaufgaben zu leicht automatisierbar ist. Wenn eine Arbeit durch ein neuronales Netzwerk generiert werden kann, bedeutet das häufig, dass sie nicht das Denken überprüft, sondern die Wiedergabe eines Musters.

Die Grenze zwischen nützlichem Werkzeug und Abschreiben verläuft dort, wo die eigenständige geistige Arbeit des Studenten endet. Den KI für die Ideensuche, Materialstrukturierung, Sprachkorrektur, Erstanalyse zu verwenden, ist bereits die neue akademische Norm. Wenn jedoch das neuronale Netzwerk die wesentlichen Schlussfolgerungen formuliert, Argumente schreibt und den Autor faktisch ersetzt, handelt es sich nicht mehr um Hilfe, sondern um die Delegation des Denkens. Genau dies stellt eine Herausforderung für die Hochschulen dar.

Geisteswissenschaftliche Fächer sind tatsächlich stärker von einem solchen Einfluss betroffen, weil es dort mehr textbasierte Aufgaben, Essays, Rezensionen, Interpretationen gibt - also Formate, mit denen sprachliche Modelle besonders sicher umgehen. Dies bedeutet jedoch nicht die Schwäche des geisteswissenschaftlichen Wissens an sich. Vielmehr weist es darauf hin, dass die Lernstandards selbst geändert werden müssen: weniger schematische schriftliche Arbeiten, mehr mündliche Verteidigungen, projektbasierte Formate, Analyse konkreter Fälle, Arbeit mit Quellen und Autorenpositionen.

Daher sind einheitliche Regeln für die Nutzung von neuronalen Netzwerken an Hochschulen wirklich nötig. Diese sollten nicht nur von den Universitäten selbst, sondern auch von den zuständigen Behörden zusammen mit der akademischen Gemeinschaft formuliert werden. Wichtig ist nicht nur zu verbieten, sondern klar zu definieren, wo KI als Werkzeug verwendet wird, wie sie deklariert werden muss und welche Kontrollformen wirkliches Wissen bewerten können. Ein Diplom bedeutet immer noch etwas - aber nur, wenn dahinter keine generierten Texte stehen, sondern die bestätigte Fähigkeit eines Menschen, zu denken, zu analysieren und für eigene Schlussfolgerungen einzustehen.

Jekaterina Nabatnikowa, Medientechnologin, Mitglied des Expert Clubs «Digoria», Entwicklungsdirektorin der Corporation AIR.