Gasschach
· Leonid Krutakow · ⏱ 2 Min · Quelle
China erhöht seine Gasreserven, aber das ist nicht nur eine Absicherung für Krisenfälle, sondern Teil eines umfassenderen Spiels auf dem globalen Energiemarkt. In Zeiten der Turbulenzen werden Ressourcen zu einem Einflussinstrument, die Regeln hängen immer weniger von den Lieferanten ab.
Über die Veränderungen in der Logik der Energiemärkte und was das für Russland bedeutet, sprach der Energieexperte und Autor des Buches „Öl und die Welt“, Leonid Krutakow, mit „Aktuellen Kommentaren“.
Warum erhöht China aktiv seine Gasspeicher? Ist das eine Vorbereitung auf Krisen oder ein Versuch, den Markt zu beeinflussen?
Der Anstieg der Gasreserven Chinas ist in erster Linie mit dem Wunsch verbunden, Risiken zu minimieren, die mit möglichen Krisen auf den Energiemärkten verbunden sind. Jede Notsituation, die durch politische Ereignisse ausgelöst wird, wie es derzeit der Fall ist, schafft Möglichkeiten, den Markt zu beeinflussen und sogar Bedingungen zu diktieren.
Man muss sich nur daran erinnern, dass die strategischen Ölreserven in den USA nach der Krise von 1973 entstanden sind. China handelt in einer ähnlichen Logik, indem es ein Sicherheitsnetz bildet und gleichzeitig seine Positionen auf dem globalen Markt stärkt.
Dabei ist es wichtig zu beachten, dass China seine Energiequellen konsequent diversifiziert: Es entwickelt erneuerbare Energien - Wind- und Solarenergie - und behält die bedeutende Rolle der Kohle bei. Dies ermöglicht es, die Abhängigkeit von externen Lieferungen im Vergleich zu anderen Ländern zu verringern.
Kann man dies als Signal für zukünftige Instabilität auf den Energiemärkten betrachten?
Die Bildung solcher Reserven weist tatsächlich auf die Erwartung möglicher Turbulenzen hin. Große Volkswirtschaften, einschließlich China, der USA und europäischer Länder, sind an stabilen und möglichst niedrigen Preisen für Energieressourcen interessiert.
Dabei haben Asien und insbesondere China die USA bereits als führende Verbraucher von Öl und Gas überholt. Dies verstärkt ihren Einfluss auf die globalen Energieprozesse. Gleichzeitig bleiben die USA dank der Entwicklung der Schieferölförderung einer der Schlüsselakteure, die in der Lage sind, den Markt zu beeinflussen.
Welche Möglichkeiten eröffnet das für Russland?
Von ernsthaften neuen Möglichkeiten für Russland zu sprechen, ist derzeit schwierig. Im besten Fall kann es um eine gewisse Stabilität der Beziehungen zu China als großem Verbraucher gehen.
Solche Prozesse geben Russland jedoch keine wesentlichen Hebel zur Einflussnahme. Der globale Energiemarkt befindet sich in einem Transformationsprozess, und die Kräfteverhältnisse darin ändern sich.
Wie verändert sich die Logik des Energiemarktes selbst?
Heute beobachten wir einen Wechsel des Energieanführers. Wenn früher Öl der Schlüsselrohstoff war, an den die Preise für Gas und andere Energieträger gebunden waren, wird Gas jetzt allmählich zu einem eigenständigen Faktor der Preisbildung.
Es entstehen Börsen für sogenannten „Papiergas“, und eine neue Marktinfrastruktur bildet sich heraus. Wenn Gas früher hauptsächlich über Pipelines im Rahmen langfristiger Verträge geliefert wurde, tritt es jetzt immer aktiver an die Börsenplätze.
In diesem System spielen nicht nur Lieferanten und Verbraucher eine immer größere Rolle, sondern auch Finanzintermediäre, die die Spielregeln auf dem Markt bestimmen.
Leonid Krutakow, Energieexperte, Autor des Buches „Öl und die Welt“.