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Bonus-Ernte

· Stanislaw Korjakin · ⏱ 1 Min · Quelle

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Einigen Verkäufern auf Ozon wurde eine Steuer nachberechnet, da Bonuspunkte, mit denen der Marktplatz den Verkäufern Rabatte für Käufer kompensiert, als Einkommen betrachtet wurden. Warum sich die Steuerbehörde plötzlich für Boni und Punkte von Marktplätzen interessiert, erklärte der Politikberater und Autor des Telegram-Kanals „Sinn und Strategien“ Stanislaw Korjakin dem Journalisten von „Aktuelle Kommentare“.

Zunächst sollte klargestellt werden, dass das Interesse der Steuerbehörde an Boni und Punkten nicht plötzlich ist. Der aktuelle allgemeine Trend seitens des Staates besteht darin, die Einnahmebasis zu erhöhen und die Steuereinnahmen mit allen verfügbaren Mitteln zu steigern. Genau darauf zielte die Steuerreform ab, die am 1. Januar in Kraft trat. Folglich sollte es für Unternehmer offensichtlich sein, dass der Staat die Zahlungspflicht verschärfen, die Steuerkontrolle verstärken und dabei verschiedene Quellen zur Auffüllung des Haushalts suchen wird.

Ob dies in Form direkter Steuern oder anderer Zahlungen umgesetzt wird, die Verbraucher und Unternehmen an die Staatskasse abführen müssen, ist nicht so entscheidend. In diese Logik passt beispielsweise die Erhöhung der Recyclinggebühr, die formal keine Steuer ist, aber faktisch die Endkosten von Waren, wie zum Beispiel Autos, für die Käufer erhöht.

Müssen Verkäufer Steuern auf solche Boni zahlen? Geht man von dem in den Medien beschriebenen Schema aus, gewähren die Plattformen den Käufern Rabatte und kompensieren diese Ausgaben den Verkäufern durch die Vergabe von Boni. Das heißt, der Verkäufer erhält faktisch die geplante Umsatzsumme, jedoch in anderer Form. Die Steuerbehörde betrachtet diese Kompensationen offensichtlich als zusätzliches Einkommen. Im Grunde erscheint diese Position der Finanzbehörden durchaus logisch und verständlich.

Zu einem Anstieg der Einzelhandelspreise für Endverbraucher sollte dies theoretisch nicht führen. Denn die Verkäufer zahlen im Grunde genommen Steuern auf einen Betrag, den sie auch ohne das Schema mit Rabatten und Kompensationen erhalten hätten. Es handelt sich also um ein spezifisches Marketingmodell, das darauf abzielt, Käufer anzuziehen. Für die Verkäufer selbst hat sich in dieser Konstruktion wenig geändert. Daher, wenn solche steuerlichen Entscheidungen einen Preisanstieg provozieren würden, wäre das äußerst merkwürdig.

Stanislaw Korjakin, Politikberater, Mitglied der Öffentlichen Kammer der RF, Autor des Telegram-Kanals „Sinn und Strategien“.

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