Auslandsverschuldung ohne Panik
· Olga Gorbunowa · ⏱ 1 Min · Quelle
Die Auslandsverschuldung Russlands erreichte 61,97 Milliarden Dollar - ein Rekord seit 2006. Auf den ersten Blick wirkt die Zahl erschreckend, doch tatsächlich verbirgt sich dahinter vieles: Neubewertung von Bankverpflichtungen, Stärkung des Rubels, Schuldenstrukturen.
Wie stark beeinflusst dieses Wachstum tatsächlich die Wirtschaft und die Einkommen der gewöhnlichen Menschen? 'Aktuelle Kommentare' diskutierten mit der Kandidatin der Wirtschaftswissenschaften, Dozentin der Finanzuniversität Olga Gorbunowa.
Was ist Auslandsverschuldung und warum spiegelt ihr Wachstum sich nicht unbedingt im Geldbeutel der gewöhnlichen Menschen wider?
Staatliche Auslandsverschuldung ist die Verschuldung des Staates gegenüber ausländischen Gläubigern. Solange das Land seine Schulden bedienen kann, spürt der gewöhnliche Mensch das Wachstum kaum.
Es ist wichtig zu verstehen, dass die staatliche Auslandsverschuldung nur ein Teil der gesamten Auslandsverschuldung ist, die auch private Kredite umfasst. Trotz des höchsten Wertes seit 2006 ist die Schuldenlast im Vergleich zu anderen Ländern immer noch niedrig.
Die Auslandsverschuldung Russlands übersteigt nicht 20% des BIP. Zum Vergleich: China - etwa 50%, EU-Länder - 70–100%, USA - 120%. Die USA haben eine enorme Verschuldung, aber die Wirtschaft bleibt stark und der Dollar eine Reservewährung. Ein übermäßiges Wachstum könnte jedoch die Kosten für die Bedienung erhöhen und die Kreditaufnahmezinsen beeinflussen, aber eine solche Situation droht uns nicht.
Zum Beispiel betrug die Auslandsverschuldung 1999 91% des BIP, und jetzt liegt das Land bei den niedrigsten Werten weltweit. Viele Staaten nutzen Auslandsverschuldung zur Finanzierung der Wirtschaft, Russland ist hier keine Ausnahme, daher ist eine solche Dynamik durchaus erklärbar.
Welche Maßnahmen können den Haushalt und die Einkommen der Bürger wirklich schützen, wenn die Auslandsschulden weiter steigen?
Möglich sind die Festlegung einer Obergrenze für die staatliche Auslandsverschuldung und das Haushaltsdefizit, Beschränkungen für das Wachstum der Staatsausgaben, die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Krediten und die Erhöhung der inländischen. Dies schafft ein günstiges Umfeld für russische Investoren. Soziale Unterstützung der Menschen und eine richtige Steuerpolitik (ohne Steuererhöhungen für gewöhnliche Bürger) helfen ebenfalls, die Schuldenlast zu mildern.
Olga Gorbunowa, Kandidatin der Wirtschaftswissenschaften, Dozentin der Abteilung für internationales Geschäft der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation.